Prozesswissen

Zwischen Vermittler und Versicherung laufen verschiedene Vorgänge: Neuantrag, Vertragsänderung, Konvertierung und Schadenmeldung. Diese Seite beschreibt das gemeinsame Modell, das alle diese Geschäftsfalltypen trägt: Ein Geschäftsfall ist nur die Klammer, die Geschäftsobjekte tragen die Zustände, und alle Services lassen sich auf sechs Arten von Operationen zurückführen, für die dieselben Prüfungen in derselben Reihenfolge gelten. Was je Geschäftsfalltyp verschieden ist – welche Objekte es gibt, welche Übergänge, wer sie anstoßen darf –, deklariert das Prozesswissen. Den Neuantrag beschreibt die Seite Antragsstrecke in diesem Modell. Die englischen Bezeichner stehen in Klammern (Glossar).

Aufbau des Modells

Das Modell ist auf sechs Seiten beschrieben, die aufeinander aufbauen:

  • Geschäftsfall und Geschäftsobjekte – Der Geschäftsfall ist die Klammer, die Geschäftsobjekte tragen Inhalt und Zustand; sie entstehen durch Erzeugung oder Ableitung, können einem Hauptobjekt untergeordnet sein und teilen dieselben Kernmerkmale, und die Berechnung ist je nach Aufbewahrung Auskunft oder Geschäftsobjekt.

  • Die sechs Operationsarten – Alle Services sind eine von sechs Arten – Auskunft, Erzeugung, Ableitung, Ersetzung, Bearbeitung, Übergang – nach zwei Achsen: was übermittelt wird und was sich ändert.

  • Zustände eines Geschäftsobjekts – Zuerkannte Zustände (Entwurf, Bereit) folgen aus dem Inhalt, gesetzte Zustände aus Übergängen und der Bearbeitung durch den Versicherer; der allgemeine Lebenszyklus gilt für jedes Geschäftsobjekt.

  • Prüfungen und Zuständigkeiten – Zulässigkeit, Konformität, Vollständigkeit und fachliche Prüfung in fester Reihenfolge, und wer welche Ableitung anstoßen darf.

  • Geschäftsfalltypen – Antragsstrecke, Vertragsänderung, Konvertierung und Schadenbearbeitung im selben Raster aus Geschäftsobjekten, Zuständen, Übergängen und Ableitungen.

  • Nebenprozesse – Untergeordnete Geschäftsobjekte, die einen Vorgang bei Kunde, Vermittler, Versicherer oder Drittem vertreten: Arten, Lebenszyklus, Sperre der Einreichung, Deklaration im Prozesswissen.

Darunter steht, was die Norm für dieses Modell liefert und wie sich das Modell in Domain-Driven Design und Hypermedia einordnet.

Was die Norm dafür liefert

  • Vokabular für Geschäftsfalltypen, Geschäftsobjekte, ihre Zustände und die sechs Operationsarten (bc:), damit Antworten und Deklarationen in allen Typen dieselben Begriffe verwenden.

  • Deklaration je Geschäftsfalltyp als Prozesswissen (pk:): welche Objekte, Übergänge und Ableitungen es gibt, wer sie anstoßen darf, welche Parameter ein Übergang erwartet, welche Eingaben ein Zustand verlangt, ab wann ein Geschäftsfall persistiert und gemeinsam bearbeitbar ist, ob der Versicherer Entwürfe hält. Die Norm zählt die zulässigen Varianten je Typ abschließend auf; jeder Versicherer deklariert, welche er umsetzt (Prozesswissen).

  • Eine einheitliche Antwortform für alle Operationen: das betroffene Geschäftsobjekt vollständig, sein Zustand, der Prüfbericht, die fachlichen Ergebnisse des Versicherers (Prämie, Entscheidung, Meldungen) und die Folgeschritte. Ein Client – programmiert, Smart-Client oder KI-Agent – arbeitet mit jeder Antwort ohne eigenes Zustandsmodell weiter.

  • Die Antragsstrecke als erste normierte Deklaration: die vier Objekte, ihre Zustände, Übergänge und Ableitungen, die Prozessvarianten (Offert ohne Berechnung, Einreichung ohne vorheriges Offert, Antragsarten, Berechnungshistorie) und die Abbildung auf die OMDS-3-Operationen calculateKfz, createOfferKfz, createApplicationKfz, submitApplicationKfz.

Profile

Vorschlag, wie sich die Operationsarten auf die beiden Profile verteilen (noch nicht beschlossen):

Profil Operationsarten

Basisprofil

Auskünfte, Erzeugung, Ersetzung, Übergang und Ableitung mit ganzem Objekt – der OMDS-3-Stil, den ein Wrapper über die bestehenden SOAP-Services abbilden kann. Folgeschritte in jeder Antwort.

Profil Produktwissen

zusätzlich Bearbeitung und Delta-Ableitung am aufbewahrten Entwurf, Produktwissen zur Instanz in jeder Antwort. Ob ein Versicherer Entwürfe hält, bleibt eine deklarierte Eigenschaft; ein Wrapper, der den Entwurf selbst hält, darf die Bearbeitung auch im Basisprofil anbieten.

Einordnung: Domain-Driven Design und Hypermedia

Das Modell folgt zwei verbreiteten Entwurfsansätzen, ohne deren Vokabular zu übernehmen: dem Domain-Driven Design (Evans, Vernon) für den Zuschnitt der Objekte und Hypermedia (REST mit Affordanzen) für die Form der Antworten. Wer diese Ansätze kennt, findet die Begriffe so wieder:

Begriff dort Entsprechung im Modell Anmerkung

Aggregat

Geschäftsobjekt

Die Konsistenzgrenze: ein Objekt mit Inhalt, Zustand, Version und eigener Sperre. Der Geschäftsfall ist die Klammer um mehrere Aggregate, kein Aggregat selbst; zwischen Objekten gibt es Verweise (Herkunft, Hauptobjekt), keine gemeinsamen Invarianten. Auch ein untergeordnetes Geschäftsobjekt (Nebenprozess) ist ein eigenes Aggregat.

Invariante

Konformität

Was immer gelten muss: Ein nicht konformes Objekt wird nie gespeichert, eine nicht konforme Anfrage verändert nichts.

Aufgeschobene Validierung

Vollständigkeit

Was erst zu einem bestimmten Zeitpunkt gelten muss: Ein Entwurf darf unvollständig sein, der Übergang verlangt die Vollständigkeit.

Fabrik

Erzeugung, Ableitung

Objekte entstehen nur über diese beiden Arten, nie durch Senden eines fertigen Objekts an eine beliebige Adresse.

Spezifikation

Shapes des Produktwissens

Die zulässige Form als Daten, prüfbar auf Server und Client.

Trennung von Befehl und Abfrage

Auskunft gegenüber den übrigen fünf Arten

Eine Auskunft bewahrt nichts auf und ist beliebig wiederholbar.

Domänenereignis

Eintrag der Historie

Zeitpunkt, Operationsart, handelnder Akteur, Version; die Auskunft „Zustandsänderungen abrufen“ liefert diese Ereignisse.

Ubiquitous Language

Glossar

Deutsch führend, die englische Fassung legt die Bezeichner im Vokabular fest.

Bounded Context, Context Map

Schichten des Vokabulars, Abbildung auf OMDS 3

Jedes Vokabular hat einen Zweck und eine Schicht (Schichten des Vokabulars).

Anti-Corruption Layer

Wrapper

Übersetzt zwischen den bestehenden OMDS-3-Services eines Versicherers und dem Modell, ohne dass eine Seite die andere prägt.

Affordanz

Folgeschritt

Jede Antwort nennt, was in diesem Zustand getan werden darf, mit Operation, Ziel, erwarteter Form und Zuständigkeit; was nicht genannt ist, ist nicht zulässig. Ein Client braucht kein eigenes Zustandsmodell.

Link-Relation

Navigationslink

Wohin ein Client von einem Objekt aus kommt: Geschäftsfall, Vorgänger, Versionen, Deklaration, Produktdefinition – mit den Standardrelationen der IANA (vorgesehen).

Bedingte Anfrage

Version als ETag

Bedingtes Schreiben: Bearbeitung, Ersetzung und Übergang nennen die Version, die sie voraussetzen; bedingtes Lesen: unveränderte Objekte und Produktwissen werden nicht erneut übertragen (vorgesehen).

Problem Details

Fehlerantwort der Zulässigkeitsprüfung

Der Grund als IRI und die betroffenen Objekte; die Konformitätsprüfung antwortet dagegen mit dem Prüfbericht (vorgesehen).

Nicht übernommen sind Event Sourcing (die Historie je Objekt genügt), getrennte Lesemodelle und eine Hypermedia-Hülle wie Hydra, HAL oder Siren: Folgeschritte und Links sind Teil des JSON-LD-Graphen der Antwort.