Risikoobjekte
Risikoobjekte – im Vertrag auch versicherte Interessen genannt – sind die Gegenstände und Personen, auf die sich das versicherte Risiko bezieht: das Kfz in der Kfz-Versicherung, das Gebäude in der Eigenheimversicherung, die versicherte Person in der Unfall- oder Lebensversicherung. Sie tragen die Risikomerkmale, also die Eigenschaften, die Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenhöhe bestimmen und damit die Prämie mitbestimmen: die Leistung in kW beim Kfz, Bauart und Wohnfläche beim Gebäude, den BMI oder den Beruf bei einer Person.
Risikoobjekte stehen neben dem Instanzbaum (siehe Objekte und Produktbaum und Instanzbaum): Sie existieren unabhängig vom einzelnen Baustein, werden von den Bausteinen referenziert und fließen in Prüfung und Berechnung ein.
Ein gemeinsames Basis-Risikoobjekt
Alle Risikoobjekte sind von einem abstrakten Basis-Risikoobjekt abgeleitet. Es selbst kommt in einem Vertrag nie vor, so wie der Produktknoten im Produktbaum; es gibt aber allen Risikoobjekten eine gemeinsame Gestalt: Jedes Risikoobjekt hat eine Art, trägt Risikomerkmale und kann von Bausteinen referenziert werden. Die gängigen Arten:
| Art | Typische Risikomerkmale | Typische Sparten |
|---|---|---|
Kfz |
Leistung in kW, Listenpreis, Sonderausstattung, Erstzulassung, Kennzeichen |
Kfz-Haftpflicht, Kasko, Insassenunfall |
Risikoadresse |
Lage, Zone für Naturgefahren; trägt Gebäude und Inhalte |
Eigenheim, Haushalt, Betriebsversicherung |
Gebäude |
Bauart, Baujahr, Wohnfläche, Nutzung |
Eigenheim, Feuer, Leitungswasser |
Haushalt (Inhalt) |
Versicherungssumme, Wohnfläche, Sicherungen |
Haushalt |
Person |
BMI, Beruf, Raucherstatus, Freizeitrisiken |
Unfall, Leben, Kranken |
Bei Personen sind Risikomerkmale und Personendaten getrennt: Das Risikoobjekt „versicherte Person“ trägt die Merkmale, die das Risiko beschreiben, und verweist auf die Personendaten – Name, Geburtsdatum, Anschrift –, die auch in anderen Rollen vorkommen, etwa als Versicherungsnehmer (siehe Personen und Rollen).
Die gemeinsame Gestalt und die gängigen Arten liegen im Vokabular der Risikoobjekte (risk:) in der Schicht
Grundlagen; was eine Sparte oder ein Land zusätzlich festlegt, ergänzen die Vokabulare dieser Schichten (siehe
Schichten des Vokabulars). Das Basis-Risikoobjekt ist risk:RiskObject; die Arten sind
risk:Vehicle (Kfz, zugleich ein schema:Vehicle), risk:RiskAddress, risk:Building, risk:Household und
risk:InsuredPerson, deren Personendaten risk:person als schema:Person angibt.
Die Risikomerkmale einer Art beschreibt eine Shape, für das Kfz risk:VehicleShape. Wo Schema.org einen passenden
Begriff hat, verwendet sie ihn, sonst einen eigenen aus risk::
| Merkmal | Begriff | Datentyp | Pflicht |
|---|---|---|---|
Zulassungsbezirk |
|
Eintrag der Codeliste |
ja (Österreich) |
Kennzeichen |
|
Text, Unterscheidungszeichen, Bindestrich, Nummer |
nein |
Marke |
|
Text |
nein |
Type |
|
Text |
nein |
Baujahr |
|
Jahr |
nein |
Erstzulassung |
|
Datum |
nein |
Leistung in kW |
|
ganze Zahl ab 1 |
ja |
Listenpreis in Euro |
|
Dezimalzahl ab 0 |
ja |
Sonderausstattung in Euro |
|
Dezimalzahl ab 0 |
ja |
Jedes Merkmal der Shape trägt eine Bezeichnung und eine Reihenfolge; ein Client baut daraus sein Erfassungsformular.
Den Namen, unter dem ein Fahrzeug im Entwurf erscheint, gibt der Versicherer als rdfs:label am Objekt mit: Marke,
Type und Baujahr („Skoda Octavia (2021)“), nicht das Kennzeichen, weil beim Wechselkennzeichen bis zu drei Fahrzeuge
dasselbe Kennzeichen tragen; nur ohne diese Angaben benennt das Kennzeichen das Fahrzeug.
Die Merkmale der übrigen Arten legen die Sparten fest, die sie versichern.
Zulassungsbezirk und Kennzeichen in Österreich
Die Prämie der Kfz-Haftpflicht hängt in Österreich vom Zulassungsbezirk ab, dessen Unterscheidungszeichen das
Kennzeichen trägt („W“ für Wien, „GU“ für Graz-Umgebung). Der Zulassungsbezirk ist deshalb ein Pflichtmerkmal des
Fahrzeugs; das Kennzeichen selbst ist keines, weil es bei der Antragstellung noch fehlen kann: Die Zulassung erfolgt
über die Versicherungsbestätigung erst nach dem Antrag. Beides legt nicht risk:VehicleShape fest, sondern eine
ergänzende Shape der Schicht Landesspezifisch, atmotor:VehicleShape (Schichten des
Vokabulars): risk: gilt europaweit, die Pflicht zum Zulassungsbezirk ist Landesrecht. Der Versicherer liefert beide
Shapes zusammen; ein Client baut ein Formular aus beiden.
Die Zulassungsbezirke sind eine Codeliste (atmotor:RegistrationDistrict): je Eintrag das Unterscheidungszeichen,
die Bezeichnung, das Bundesland (mit ISO-3166-2-Code) und die Art – Bezirk, Statutarstadt oder Expositur einer
Bezirkshauptmannschaft. Aufgelöste Bezirke bleiben mit Ablaufdatum und Nachfolgern in der Liste, damit bestehende
Kennzeichen erkannt werden, stehen aber nicht zur Auswahl. Die Shape nennt die Codeliste mit sh:class und die
Auskunft, bei der ein Client die Einträge abruft, mit bc:valuesFrom (GET …/codelists/registration-districts,
mit ETag für bedingtes Lesen); bc:code und bc:groupBy sagen ihm, welches Merkmal das Kürzel trägt und wonach er
die Liste gruppiert. Sind Kennzeichen und Zulassungsbezirk angegeben, prüft die Shape, dass das Unterscheidungszeichen
zum Bezirk passt; das Kürzel eines aufgelösten Bezirks ist zulässig, wenn der gewählte Bezirk sein Nachfolger ist.
Fahrzeugvorlagen des Versicherers
Marke, Type, Leistung und Listenpreis eines Fahrzeugs muss der Vermittler nicht von Hand eintippen, wenn der Versicherer
gängige Fahrzeuge kennt: Er bietet Fahrzeugvorlagen an (risk:VehicleTemplate), und der Client schlägt Marken und
Typen mit Leistung und Listenpreis vor. Die Wahl einer Vorlage füllt Marke, Type, Leistung und Listenpreis des
Formulars vor; Leistung und Listenpreis bleiben bearbeitbar, und ein Fahrzeug, das der Katalog nicht kennt, wird wie
sonst eingegeben. Marke und Type sind weiterhin freier Text.
Die Vorlagen sind kein Wissen der Norm, sondern des einzelnen Versicherers: welche Marken, welche Typen, welche Preise. Die Norm legt nur fest, wie ein Versicherer sie anbietet:
-
Eine Vorlage hat dieselben Merkmale wie das Fahrzeug –
schema:brand,schema:model,risk:enginePower,risk:listPrice– und optional den Preisstandrisk:priceDate. Weil die Pfade übereinstimmen, kopiert ein Client jedes Merkmal der gewählten Vorlage in das Feld mit gleichemsh:path; eine Zuordnungstabelle gibt es nicht. -
Eine Shape im Katalog des Versicherers, die auf
risk:Vehiclezielt, nennt am Merkmalschema:modeldie Klasse der Vorlagen (bc:templateClass) und das Merkmal, nach dem sie gruppiert werden (bc:groupBymitschema:brand). In der Antwort, die den SchrittcreateRiskObjectnennt, trägt dieselbe Stellebc:templatesFrommit der Adresse der Auskunft. -
Die Auskunft (
GET …/templates/vehicles, mitETagfür bedingtes Lesen) liefert alle Vorlagen des Katalogs; der Client filtert nach der Marke.
Das Fahrzeug verweist nicht auf die Vorlage. Die Vorlage ist ein Vorschlag; nach dem Kopieren gehört der Wert dem Fahrzeug, und geprüft wird es wie jedes andere gegen die Shapes. Ein Versicherer ohne Vorlagen nennt keine Klasse, sein Formular bleibt, wie es ist.
Liste der Risikoobjekte und Verweise aus den Bausteinen
Eine Instanz – eine Berechnung, ein Antrag, ein Vertrag – führt die Liste ihrer Risikoobjekte. Die Bausteine des Instanzbaums verweisen auf Einträge dieser Liste; der Verweis ist gerichtet und geht vom Baustein aus. Ein Baustein kann keinen, einen oder mehrere Verweise haben; typischerweise verweist ein Baustein nur auf Risikoobjekte einer Art. Dasselbe Risikoobjekt kann von mehreren Bausteinen referenziert werden, etwa ein Kfz von der Haftpflicht und der Kasko.
Die Liste macht sichtbar, was versichert ist, auch wenn mehrere Bausteine dasselbe Objekt betreffen; jedes Objekt
wird nur einmal erfasst und nur einmal geprüft. In der Instanz führt i:hasRiskObject die Liste, und i:riskObject
ist der Verweis eines Instanzknotens – auch der Wurzel – auf einen Eintrag der Liste oder auf ein Teil eines
Eintrags.
Geltung entlang des Baums
Ein Baustein ohne eigenen Verweis bezieht sich auf die Risikoobjekte seines nächsten Vorfahren, der einen Verweis hat. Im Bild oben gelten für Haftpflicht und Insassenunfall beide Kfz der Wurzel, für die Grunddeckung das Kfz 2 der Vollkasko. Prüfung und Berechnung lesen diese wirksamen Risikoobjekte; ein eigener Verweis ist nur nötig, wo ein Baustein sich auf weniger oder auf andere Objekte bezieht als sein Elternbaustein.
Verschachtelte Risikoobjekte
Risikoobjekte können selbst Risikoobjekte enthalten. Eine Risikoadresse trägt etwa mehrere Gebäude, ein Gebäude seine Inhalte. Je nach Deckung verweist ein Baustein auf die ganze Adresse oder nur auf ein Unterobjekt: die Haftpflicht des Grundbesitzers auf die Adresse, die Feuerversicherung auf ein Gebäude, die Haushaltsversicherung auf den Inhalt einer Wohnung.
Risikoobjekt oder Attribute am Baustein
Wird ein versichertes Interesse nur von einem einzigen Baustein referenziert, bräuchte man von den Kardinalitäten her kein eigenes Objekt: Die Merkmale könnten auch als Attribute am Baustein stehen. Trotzdem verwendet man oft auch dann ein Risikoobjekt, weil es für das Interesse bereits eine feste, produktübergreifende Definition gibt – für die versicherte Person ebenso wie für das Kfz. Der Vermittler erfasst ein Kfz dann in jedem Produkt mit denselben Merkmalen, und die Versicherung prüft es nach denselben Regeln.
Regeln für die Verweise
Die Grundlagen legen fest, dass ein Baustein auf Risikoobjekte der Instanz verweisen kann, und lassen bewusst offen, welche Bausteine es tun, auf welche Arten und wie viele. Diese Regeln hängen von Sparte, Land und Produkt ab und lassen sich nicht allgemein für alle formulieren. Sie stehen deshalb in den Vokabularen der Sparten und Länder und im Produktwissen der Versicherung, das ein Client zur Laufzeit erhält.
Ein Beispiel aus Österreich, Kfz: Ein Vertrag enthält höchstens drei Kfz (Wechselkennzeichen). Jeder Baustein kann sich auf eines dieser Kfz beziehen. Bei Unterbausteinen verzichtet man meist auf einen eigenen Verweis; dann gilt, was im Elternbaustein festgelegt ist.
Verweisregel am Produktknoten
Das Produktwissen legt die Verweise je Produktknoten mit einer Verweisregel (p:riskObjectRule) fest:
| Angabe | Bedeutung |
|---|---|
Art ( |
Auf welche Art von Risikoobjekten die Bausteine dieses Produktknotens verweisen, z. B. |
Mindest- und Höchstzahl ( |
Wie viele eigene Verweise ein Baustein auf Objekte dieser Art hat. |
Unter den Objekten des Elternbausteins ( |
Die Ziele müssen unter den wirksamen Risikoobjekten des Elternbausteins liegen: Der Baustein wählt aus dem, was für seinen Elternbaustein gilt. |
Ein Produktknoten ohne Verweisregel hat keine eigenen Verweise; für seine Bausteine gelten die Objekte des Elternbausteins. Die Prüfregeln der Norm melden einen Baustein mit zu wenigen oder zu vielen Verweisen, einen Verweis auf ein Objekt falscher Art, außerhalb der Liste oder außerhalb der Objekte des Elternbausteins und einen eigenen Verweis ohne Verweisregel. Was eine Regel darüber hinaus verlangt, prüft der Versicherer mit eigenen Shapes zu seinem Katalog.
Die Kfz-Produkte der Beispielversicherer und des Beispielkatalogs der Norm folgen diesem Muster:
| Produktknoten | Art | Anzahl | Ziel |
|---|---|---|---|
Produkt (Wurzel) |
Kfz |
1 bis 3 |
aus der Liste |
Vollkasko, Teilkasko |
Kfz |
genau 1 |
eines der Kfz der Wurzel |
Haftpflicht, Insassenunfall, Rechtsschutz, Assistance und alle Unterbausteine |
– |
– |
es gelten die Kfz des Elternbausteins |
Dazu prüft jeder Kfz-Katalog mit einer eigenen Shape, dass jedes Kfz höchstens einen Kaskobaustein hat – Vollkasko oder Teilkasko, nicht beides und nicht zweimal. Die Drei-Kfz-Grenze ist hier eine Regel des Produkts; als Festlegung für Österreich gehört sie in das Ländervokabular der Sparte.
Prüfung und Berechnung
Risikoobjekte sind Teil der Produktkonfiguration. Die Versicherung prüft ihre Merkmale – Datentyp, Pflicht, Wertebereich – und die Verweise: Fehlt einem Baustein ein Risikoobjekt, das er braucht, meldet der Prüfbericht das am Baustein, und das Geschäftsobjekt ist unvollständig. Die Prämienberechnung liest die Risikomerkmale der Objekte, auf die die Bausteine verweisen.
Ein Client ohne Vorwissen erfährt aus der Antwort der Versicherung, welche Bausteine ein Risikoobjekt welcher Art erwarten und welche Merkmale ein Risikoobjekt dieser Art hat, und baut daraus seine Erfassung – so wie er die Eingabefelder der Attribute aus deren zulässigen Werten baut (siehe Lösungsansatz).
Risikoobjekte im Entwurf bearbeiten
Hält die Versicherung die Berechnung als Entwurf („Entwurf am Server“), bearbeitet ein Client die Risikoobjekte mit drei Operationen:
-
createRiskObjectlegt ein Risikoobjekt mit Art und Merkmalen in der Liste an. Die Versicherung vergibt seine Kennung und ordnet es automatisch zu: jedem Baustein, dessen Verweisregel die Art nennt und noch Platz hat, die Wurzel zuerst; ein Baustein mitp:withinParentRiskObjectsbekommt es nur, wenn es für seinen Elternbaustein gilt und kein gleichartiger Geschwisterbaustein es schon hat. Ein neu eingeschlossener Baustein bekommt ebenso ein noch freies Objekt. -
assignRiskObjectersetzt die eigenen Verweise eines Bausteins durch die gewählten Objekte; so ändert der Nutzer jede automatische Zuordnung. Ohne gewählte Objekte gilt wieder der Elternbaustein. Verlässt ein Kfz die Wurzel, verliert es auch der Kaskobaustein, der darauf verwies. -
removeRiskObjectentfernt ein Risikoobjekt samt seinen Teilen und allen Verweisen darauf; betroffene Bausteine werden danach als unvollständig gemeldet.
Jede Antwort enthält neben dem Entwurf die Liste der Risikoobjekte mit ihren Merkmalen, an jedem Baustein mit Verweisregel die Regel mit der Zahl der eigenen Verweise und den jetzt wählbaren Objekten, an jedem Baustein ohne eigenen Verweis die wirksamen Objekte und den Vorfahren, von dem sie gelten, und für jede Art, die noch angelegt werden kann, die Shape mit allen Merkmalen. Ein unvollständiger Verweis – „Fahrzeug fehlt“ an der Wurzel oder an der Vollkasko – ist ein Zustand des Entwurfs: Er wird gespeichert und gemeldet, und „berechnen“ ist bis dahin kein Folgeschritt.