Schichten des Vokabulars

Diese Seite ordnet das Vokabular der Norm in zwei Säulen, fünf Schichten und ihre Träger. Die Säulen selbst beschreiben die Konzeptseiten Geschäftsobjekte und Operationen (Prozess) und Produktbaum und Instanzbaum (Struktur); die Begriffe stehen im Glossar.

Das Vokabular, mit dem die Norm Versicherungsservices beschreibt, ist modular aufgebaut. Es beantwortet zwei Fragen, die sich nicht aufeinander zurückführen lassen:

  • Was wird ausgetauscht? Welche Dinge gibt es – Produkte, Produktinstanzen, Personen, Verträge –, welche Angaben tragen sie, und welche Werte sind zulässig?

  • Wie wird gearbeitet? Welche Geschäftsobjekte gibt es in einem Geschäftsfall, welche Zustände haben sie, welche Operationen sind in welchem Zustand zulässig, wer stößt sie an, und was davon setzt ein Versicherer um?

Beide Fragen beantwortet je eine Säule des Vokabulars. Beide Säulen reichen von allgemeinen, marktunabhängigen Begriffen bis zu dem, was ein einzelner Versicherer festlegt; diese Stufen der Allgemeinheit sind die Schichten. Quer dazu stehen die Träger: die technischen Mittel, über die das Vokabular den Client erreicht und ausgeführt wird.

Zwei Säulen

Struktursäule („Was“) Prozesssäule („Wie“)

Frage

Welche Dinge gibt es, welche Angaben tragen sie, welche Werte sind zulässig?

Welche Geschäftsobjekte gibt es, in welchem Zustand lassen sie welche Operation zu, wer stößt sie an, was setzt der Versicherer um?

Begriffe

Produkt, Produktkomponente, Produktattribut, Produktinstanz, Person, Rolle, Vertragsdaten, Codeliste, Shape

Geschäftsfall, Geschäftsfalltyp, Geschäftsobjekt, zuerkannter und gesetzter Zustand, Operationsart, Übergang, Ableitung, Folgeschritt, Prozessvariante, Prozesswissen

Konzeptseiten

Produktbaum und Instanzbaum, Produkt und Produktbaum, Versicherungsprodukte als Regelwerke, Objekte, Personen und Rollen, Antragsfragen

Geschäftsobjekte und Operationen, Antragsstrecke, Zustandsdiagramm Kfz, Prozesswissen

Die Säulen sind durch Verweise verbunden, nicht durch Vererbung: Ein Geschäftsobjekt der Prozesssäule – etwa ein Antrag – trägt als Inhalt Objekte der Struktursäule (die Produktinstanz, Personen mit ihren Rollen, Vertragsdaten). Ein Folgeschritt der Prozesssäule nennt als erwartete Form (bc:expects) eine Shape der Struktursäule. Welcher Zustand einem Geschäftsobjekt zuerkannt wird, entscheidet die Prozesssäule; ob der Inhalt dafür konform und vollständig ist, prüft die Struktursäule mit ihren Shapes.

Fünf Schichten, für beide Säulen gleich

Jede Säule hat dieselben fünf Schichten. Sie ordnen nach Allgemeinheit, nicht nach Technik:

  • Allgemein: Vokabulare, die unabhängig von der Norm bestehen und auch außerhalb der Versicherung Sinn ergeben. Die Norm übernimmt sie, legt sie aber nicht fest.

  • Grundlagen: die Grundbegriffe und Prinzipien, die für alle Märkte gelten – die Metamodelle für Produkt und Geschäftsprozess ebenso wie die international gemeinsamen Fachbegriffe und Sparten.

  • Norm Europa: was darauf aufbauend für alle europäischen Märkte gilt, weil es aus europäischem Recht oder europäischen Standards stammt.

  • Landesspezifische Normierung (z. B. Österreich): was OMDS LD darauf aufbauend für einen einzelnen Landesmarkt festlegt, derzeit für den österreichischen.

  • Versicherer: was ein einzelner Versicherer darauf aufbauend deklariert oder ergänzt, zur Laufzeit abrufbar.

Die Grundlagen, Norm Europa und die landesspezifische Normierung bauen aufeinander auf: Norm Europa verwendet Begriffe aus den Grundlagen, die landesspezifische Normierung Begriffe aus beiden, nie umgekehrt. Normativ und für alle Versicherer gleich sind alle drei.

Jede Schicht besteht aus Vokabularen. Ein Vokabular hat einen eigenen Namespace, liegt in genau einer Schicht und dient genau einem Zweck; eine Schicht hat in der Regel mehrere Vokabulare. Die Schicht eines Begriffs ergibt sich damit aus seinem Vokabular. Die Namespaces der Grundlagen liegen direkt unter https://vvo.at/omds/ld/, die von Norm Europa unter …/eu/, die österreichischen unter …/at/.

Schicht Struktursäule („Was“) Prozesssäule („Wie“)

Allgemein

Schema.org (schema:): Person, Organisation, Adresse. Externe Fachontologien wie FIBO oder Schema4i sind keine Schicht der Norm; bei Bedarf werden Begriffe der Norm per rdfs:subClassOf oder owl:equivalentClass darauf abgebildet, ohne Instanzdaten zu ändern.

Derzeit nicht belegt: Die Norm verwendet kein externes Prozessvokabular (Hydra kommt nicht zum Einsatz). Gäbe es eines, würden Begriffe der Norm wie in der Struktursäule per rdfs:subClassOf oder owl:equivalentClass darauf abgebildet.

Grundlagen

Produktdefinition (p:) und Produktinstanz (i:): die Metamodelle von Produktbaum und Instanzbaum mit den Shapes der Norm (Produktbaum und Instanzbaum).
Risikoobjekte (risk:): was mehrere Sparten versichern – das abstrakte Basis-Risikoobjekt und seine Arten, die Person als Risiko, das Fahrzeug, das Gebäude (Risikoobjekte).
Vertragsdaten und Rollen (ct:): Beginn, Zahlweg, Hauptfälligkeit; Versicherungsnehmer, Prämienzahler, versicherte Person.
Sparten (je Sparte ein Vokabular, z. B. motor:): was eine Sparte in allen Märkten gemeinsam hat, bei Kfz etwa Haftpflicht und Kasko.

Geschäftsprozess-Kern (bc:): Geschäftsfall als Klammer, Geschäftsobjekt mit zuerkannten und gesetzten Zuständen, allgemeiner Lebenszyklus (Entwurf, Bereit, Übergeben, in Bearbeitung beim VU, Rückfrage, Abgeschlossen, Abgelehnt), die sechs Operationsarten, die vier Prüfungen in fester Reihenfolge, Folgeschritte (bc:nextStep, bc:expects), Zuständigkeiten und die Auskunft „Zustandsänderungen abrufen“.
Vokabular der Deklaration (pk:): pk:Declaration mit seinen Eigenschaften.
Geschäftsfalltypen (bct:): Antragsstrecke, Vertragsänderung, Konvertierung, Schadenmeldung und -bearbeitung mit ihren Geschäftsobjekten, den typbezogenen Namen des Zustands Bereit (berechenbar, annehmbar, einreichbar, meldbar), Übergängen, Ableitungen und Zuständigkeiten. Für Menschen dargestellt als Zustandsdiagramme der Konzeptseite oder in BPMN.

Norm Europa

Derzeit noch nicht belegt. Vorgesehen sind europäische Fachbegriffe (eu:), etwa das Produktinformationsblatt (IPID) oder der SEPA-Zahlweg, und je Sparte ein Vokabular für europäische Vorgaben (z. B. eumotor: mit der Pflicht zur Haftpflichtversicherung).

Derzeit nicht belegt. Vorgesehen für Pflichtschritte und Prüfungen aus europäischem Recht (eupv:), etwa Informationspflichten vor dem Vertragsabschluss.

Landesspezifische Normierung (z. B. Österreich)

Österreichische Fachbegriffe und Codelisten (at:), zum Beispiel die Antragsart.
Sparten (je Sparte ein Vokabular, z. B. atmotor:): was eine Sparte nur in Österreich kennt, bei Kfz die Zulassungsbezirke als Codeliste mit dem Zulassungsbezirk als Pflichtmerkmal des Fahrzeugs (Risikoobjekte), künftig Bonus-Malus, die Regelung des Wechselkennzeichens und die steuerliche Behandlung.
Abbildung auf OMDS 3 (omds:): die Strukturen und Codes von OMDS 3, die ein Wrapper und die Migration brauchen.

Prozessvarianten (atpv:): die abschließende Aufzählung der zulässigen Prozessvarianten und der Regelfall je Geschäftsfalltyp; die Abbildung auf die Operationen von OMDS 3.

Versicherer

Produktkataloge im Namespace des Versicherers (Beispiele: dis:, aa:, pfm:), produktspezifische Shapes, Ergänzungen zu Sparten und Attributen, die nur dieser Versicherer kennt (Beispielversicherer).

Deklaration des Prozesswissens je Versicherer: eine Instanz von pk:Declaration im Namespace des Versicherers, die je Geschäftsfalltyp nennt, welche Prozessvarianten er umsetzt und wo er vom Regelfall abweicht, ob er Entwürfe hält (Entwurf am Server), ab wann ein Geschäftsfall persistiert und gemeinsam bearbeitbar ist, welche Parameter seine Übergänge erwarten, welche Eingaben ein Zustand verlangt und ob er Zustandswechsel zusätzlich zustellt.

Eine Sparte hat damit je Schicht ein eigenes Vokabular, angelegt erst, wenn es auf dieser Schicht Festlegungen gibt. Kfz ist in vielen Märkten ähnlich, weicht aber in einzelnen Regeln ab: Haftpflicht und Kasko gehören zu den Grundlagen (motor:), die Pflicht zur Haftpflichtversicherung zu Norm Europa (eumotor:); Bonus-Malus, die Regelung des Wechselkennzeichens und die steuerliche Behandlung sind österreichisch (atmotor:). Ein anderes Land ersetzt diese Teile durch ein eigenes Vokabular, etwa mit Schadenfreiheitsklassen in Deutschland, und behält die Grundlagen und den europäischen Teil. Sparten mit gemeinsamem Kern bekommen ein gemeinsames Vokabular, etwa Gebäude und Haushalt; die Risikoobjekte liegen nicht in den Sparten, sondern in risk:, damit Unfall, Leben und Kranken dieselbe versicherte Person verwenden.

Träger

Die Träger sind keine Schicht des Vokabulars. Sie sind die Mittel, mit denen beide Säulen den Client erreichen und ausgeführt werden (Schnittstellentechnik):

Träger Rolle

JSON-LD

Austauschformat beider Säulen: Die Objekte der Struktursäule reisen als JSON-LD; ebenso die Zustände und Folgeschritte in jeder Antwort und die Deklaration des Prozesswissens, denn die Prozesssäule ist RDF wie die Struktursäule.

SHACL-Shapes

Prüfen die Struktursäule: Shapes der Norm (z. B. p:, i:, risk:, ct: und die Sparten) und produktspezifische Shapes des Versicherers (Prüfung durch Shapes). Die Prozesssäule verweist darauf: Der Folgeschritt nennt mit bc:expects die Shape des erwarteten Inhalts, und die Deklaration des Prozesswissens ist selbst gegen eine Shape der Norm geprüft.

OpenAPI

Führt die Prozesssäule aus: Jede Operation der Norm ist eine OpenAPI-Operation, deren operationId die Operationsart und das Geschäftsobjekt erkennen lässt.

MCP-Werkzeuge

Dieselben Operationen als Werkzeuge für KI-Agenten; der Werkzeugname ist die operationId (Werkzeuge).

Folgeschritt-Links

Tragen die Prozesssäule zur Laufzeit in jede Antwort: Am Geschäftsfall und an jedem Geschäftsobjekt stehen die jetzt zulässigen Operationen mit Zielressource und erwarteter Shape. Was dort nicht steht, ist nicht zulässig (Geschäftsfall und Folgeschritte).

Profile schneiden quer

Die Profile der Norm sind Leistungsumfänge, die ein Versicherer erfüllt – keine Schicht und keine Säule. Sie schneiden quer durch das Raster:

  • Das Basisprofil umfasst die Prozesssäule in allen Schichten (ohne die Operationsarten Bearbeitung und Delta-Ableitung) und die Struktursäule ohne Produktdefinition: Produktinstanzen (i: ohne i:basedOn), Risikoobjekte (risk:), Vertragsdaten und Rollen (ct:), die Fachbegriffe und Sparten der Norm und Schema.org. Ein Wrapper über die bestehenden SOAP-Services kann es erfüllen.

  • Das Profil Produktwissen ergänzt in der Struktursäule die Produktdefinition (p:) und das Produktwissen zur Instanz, in der Prozesssäule die Bearbeitung am aufbewahrten Entwurf.